Restless leg-Syndrom - Behandlung mit klassischer Homöopathie

Allgemeines:
65 jährige Patientin, verheiratet, 2 erwachsenen Kinder, Rentnerin, Augenfarbe braun, Haarfarbe braun, volles Haar, kräftige Statur, angenehme und gepflegte Erscheinung, im Kontakt offen, freundlich zugewandt.

Grund der Behandlung:
Sie leide seit ca. 20 Jahren an unruhigen Beinen, bekannt als "Restless legs". Die Beschwerden haben in den letzte Jahren noch zugenommen. Sie habe vom Hausarzt Tabletten bekommen, die schlagen jedoch nicht an. Man habe ihr gesagt, das sei nicht weiter behandelbar, sie müsse sich damit abfinden .Die Pat kommt nun ursprünglich zu einer Ohrakupunktur-Behandlung, kurz OAP. Sie hat im Fernsehen einen Bericht zu diesem Thema gesehen, und erhofft sich nun eine neue Chance der Behandlung. Da Restless legs nicht zur klassischen Indikation einer OAP zählen, kann ich ihr keine genaue Prognose machen. Die Pat. möchte aber einen Versuch wagen.
Nach 5 Sitzungen ziehen wir eine Bilanz: Die OAP hat nicht den erhofften Erfolg gebracht, daher schlage ich ihr eine klassische homöopathische Behandlung vor. Die Pat. hat mit dieser Behandlungsmethode bisher keinerlei Erfahrung, möchte aber nichts unversucht lassen. Ich kläre sie über Vorgehensweise und Wirkungsweide der Behandlung auf.
Daraufhin erfolgt nun eine ausführliche Anamnese nach den Regeln der klassischen Homöopathie, in der nicht nur die eigentlichen Beschwerden des Pat. abgefragt werden, sondern auch Krankheiten, Belastungen und Eigenschaften, die den ganzen Menschen betreffen.
Dauer der Anamnese: ca. 1,5 Stunden.

Allgemeine Anamnese:
Über die Krankheiten ihrer Blutsverwandten kann sie nur wenig Auskunft geben.
Als Kind habe sie alle damals gängigen Impfungen erhalten (Pocken, Tetanus, Kinderlähmung), sie habe ihres Wissens nach nicht auffallend auf diese Impfungen reagiert. Sie habe keine Hauterkrankungen und Allergien.
Die Pat. leidet seit einigen Jahren an Hypertonus, der schulmedizinisch gut eingestellt sei. Vor ca. 1,5 Jahren habe man einige Gallensteine entfernt, nach dieser OP sei es ihr sehr schlecht gegangen. Sie habe stark abgenommen. Dabei habe man dann Diabetes Typ 2 festgestellt, der mit Tabletten gut eingestellt sei. Seither könne sie kein Fett vertragen.
Des Weiteren klagt die Pat. über HWS -Beschwerden in Verbindung mit Kopfschmerzen. Manchmal habe sie auf der Couch abends plötzlich ein Gefühl von Luftnot mit Kurzatmigkeit hinter dem Sternum und einen "komischen Husten, der wieder verschwände, wenn sie einen Schluck Wasser tränke". Sie sei nicht herzkrank, das Herz werde regelmäßig untersucht.
Weiterhin klagt sie über Schlafprobleme, sie habe sowohl Ein- als auch Durchschlafstörungen, auch unabhängig von den unruhigen Beinen. Sie habe weiterhin ein starkes schmerzhaftes Reißen in den Beinen, sie sei deshalb gerade in Behandlung eines Orthopäden. Die Pat. beschreibt sich selbst als gesellig, psychisch ausgeglichen. Sie spüre bisher keine Einschränkungen ihrer Merkfähigkeit und Konzentration. Bei den Speisen habe sie keine besonderen Vorlieben oder Abneigungen, allgemein bevorzugt sie Süßes, Fett wird nicht vertragen.
OP´s: Gallen-OP, beide Kniescheiben wurden nach einem Sturz entfernt. Unfälle: o.g. Sturz, sonst keiner weiteren Unfälle.

Zu ihrer Restless-Legs-Problematik berichtet sie:
"Manchmal, wenn ich ca. 1 Stunde eingeschlafen bin, fängst es an. Die Wade zuckt in alle Richtungen, dazu kommt ein Prickeln in der Wade. manchmal auch ein Stechen. Das dauert dann einige Stunden an. Das einzige, was dagegen hilft, ist, wenn mein Mann mir ganz fest mit dem Ellenbogen an eine bestimmte Stelle am Fuß drückt, nach einer Viertelstunde lässt das dann nach.
Auf Nachfragen gibt sie an:
Es beginnt im rechten Bein, manchmal kommt das Linke dann noch dazu. Das Zucken ist an keiner Zeit festzumachen, manchmal geht es erst morgens gegen 6 Uhr los. Manchmal geht es auch schon mittags los, hauptsächlich aber nachts, wenn sie schon geschlafen hat. Sie kann keinen Auslöser erkennen. Auch Stress oder andere psychische Belastungen führen zu keiner Verschlechterung. Auftreten: Fast jede Nacht. Dauer: 1-2 Stunden, nur die o.g. Hilfe ihres Mannes (Druck !) verkürze das Ereignis. Das Verhalten des Ehemannes ist freundlich bemüht, er möchte seiner Frau helfen, fühlt sich nicht belastet durch die allnächtlichen Störungen. Auch das Verhältnis der Eheleute untereinander läst nicht darauf schließen, dass ein sekundärer Krankheitsgewinn durch die Beanspruchung des Ehemannes vorliegt.
Dauer der Anamnese: ca. 1,5 Stunden

Untersuchung:
Körperliche Untersuchung mit Schwerpunkt Wirbelsäule wegen bestehender HWS-Problematik, RR und Puls-Kontrolle. Übersicht über Blutbild und Elektrolyte brachte die Pat. mit, da diese erst kürzlich bestimmt wurden (Alle Werte im Normbereich).

Behandlung:
Nach ausführlicher Repertorisation gelange ich zu dem Mittel Causticum.
Ausschlaggebend dafür waren einmal die Akutsymptomatik der Beine, außerdem der chronisch schlechte Schlaf, das beschriebene Reißen in den Beinen, sowie die chronische Verspannung im HWS-Bereich . Dies findet sich alles wieder bei dem Mittel Causticum, auch wenn sich der für die Pat. sehr wichtig Aspekt "Druck bessert" nicht bei Causticum finden lässt. Da die Pat. noch nie ein homöopathisches Mittel erhielt und ich ihre Reizfähigkeit testen möchte, erhält sie 3 Globuli Causticum in D200.

Zwischenbericht der Patientin:
Nach der Einnahme des Mittels in der Praxis habe ihr ganzer Körper in der darauffolgenden Nacht gezuckt. Sie habe es dann nicht mehr ausgehalten, und habe, wie in der Praxis besprochen eine zweite Dosis Causticum D200, in Wasser verrührt, eingenommen. Danach sei sie fast augenblicklich eingeschlafen. Das Zucken des Körpers ist als Erstverschlimmerung zu werten, die Pat. hat massiv auf das Mittel reagiert. In der Praxis haben wir das Thema Erstverschlimmerung ausführlich erörtert, die Pat. wusste daher, wie sie das Phänomen zu deuten hat, und wie sie darauf reagieren kann. Die Pat. hat sich richtig verhalten und durch die zweite Mitteleinnahme die Erstverschlimmerung aufgehoben. Somit sehe ich mich aber auch in meiner Mittelwahl bestätigt, außerdem ist es interessant zu beobachten (auch für den unerfahrenen Pat), wie schnell eine Reaktion auch bei so lange andauernder Beschwerden zu erreichen ist. Die Pat. meldete sich am nächsten Morgen telefonisch in der Praxis, um davon zu berichten. Um das Mittel jetzt ausreagieren zu lassen, vereinbaren wir einen Termin in den nächsten 3 Wochen. So lange ist ungefähr mit einer Wirkung des Mittels bei dieser Potenz zu rechnen.

Zwischenbericht der Patientin nach 4 Wochen:
Sie habe eine deutliche Besserung ihrer Symptomatik verspürt, die Beine seien viel ruhiger, an vielen Tagen habe sie keinerlei, an manchen Tagen abgemilderte Symptome. Auf Nachfragen gibt sie an, der Husten habe sich auch gebessert, das sei ihr aber erst im Nachhinein aufgefallen. Zurzeit schlafe sie gut, sie habe bereits seit 8 Tagen keine Schlaftablette mehr genommen. In der Zwischenzeit sei entzündliches Rheuma bei ihr festgestellt worden, sie erhalte zurzeit Cortison, seitdem seien die Schmerzen in den Beinen besser. Durch die Cortisongaben läst sich zurzeit leider nicht feststellen, ob das Causticum auch diese Schmerzen gelindert hätte. Da die Wirkung der D200 Potenz in den nächsten Tagen nachlassen müsste, verschreibe ich der Pat. nun Causticum als LM 1 Potenz. Dies hat den Vorteil, dass das Mittel sehr viel sanfter wirkt und es nicht mehr zu so massiven Reaktionen wie bei der D200 Potenz kommen wird. Außerdem läst sich die Potenz durch die regelmäßige Einnahme schnell dem jeweiligen Zustand des Pat. anpassen. Die Pat. nimmt davon jeden 2. Tag einen Tropfen in ein halbes Glas Wasser verrührt. Davon nimmt sie einen Teelöffel ein, der Rest des Wassers im Glas wird verworfen.

Zwischenbericht der Patientin nach 6 Wochen:
Die Pat. berichtet telefonisch: Zurzeit gehe es sehr gut. Bis auf wenige Ausnahmen seien die Beine ruhig. Sie sei mit ihrem jetzigen Zustand sehr zufrieden. Daher soll sie die Causticum-Tropfen weiter einnehmen wie bisher. Bei einer Verschlechterung ihres Zustandes soll sie sich in der Praxis melden. Dann kann eine erneute Potenz-Anpassung erfolgen.

Prognose und Beurteilung:
Die Pat. befindet sich erst am Anfang einer Behandlung mit LM-Potenzen. Die Potenz kann jederzeit bei Bedarf erhöht werden. Durch den schnellen Anfangserfolg zeigt sich, dass mit der Homöopathie selbst schon sehr lange andauernde Beschwerden in relativ kurzer Zeit deutlich gemildert werden können.

Dauer der Behandlung:
Ca. 4 Monate mit einem ausführlichen Anfangsgespräch und mehreren kurzen Zwischenberichten, dabei einmal Wechsel der Potenz.

Naturheilpraxis Kerstin Heine
Heilpraktikerin
Horstst. 16
35236 Breidenbach
Tel.: 06465 / 92 70 99
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