Fachinformationen

ADS-Therapie

Homöpathie und Autogenes Training statt schulmedizinische

Allgemeines

12-jähriger männlicher Patient; Schüler in der 5. Klasse Hauptschule Haarfarbe blond; blaue Augen; schlank; 146 cm Körpergrösse bei 29 kg Körpergewicht; angenehme Erscheinung; gepflegtes Äußeres; wirkt angespannt, nervös und zappelig. Erwartungshaltung

Beschwerdebild und Grund der Behandlung:
Mutter des Jungen sucht eine Alternative zu einer schulmedizinischen Behandlung; sie kommt auf Empfehlung in meine Praxis. Anlaß sei die derzeitige Schulsituation und diverse symptomatische Beschwerden wie Warzen seit einem Jahr die vermehrt auftreten, Konzentrationsbeschwerden in der Schule und während der Hausaufgaben und zunehmende Unruhe. Auf Anraten des Klassenlehrers erfolgte eine "ADS-Austestung" bei einem Schulpsychologen und eine abgestimmte Therapie in psychotherapeutischen Einzelsitzungenp für einen längeren Zeitraum sollte demnächst durchgeführt werden. Vor dem Besuch in meiner Praxis wurde die Einnahme von "Ritalin" durch den behandelnden Psychologen verordnet. Sowohl die Eltern des Jungen als auch dieser selbst verwehren diese Therapie und suchen Hilfe in meiner Praxis.

Anamneseverlauf:

Zur Krankengeschichte

In der familiären Krankengeschichte (Blutsverwandte) finden sich folgende Diagnosen:
Krebs, Herzerkrankungen, Blutungsneigungen, Warzen, Schlaganfall.
Der Patient selbst hat nach Angaben der Mutter wissentlich nachfolgende Infektionskrankheiten durchgemacht:
Windpocken.
Der Junge erhielt im Kleinkindalter Impfungen gegen:
Masern, Diphterie, Röteln, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, HIB (Hirnhautentzündung).
Er sei eine Zangengeburt gewesen; in der Schwangerschaft wurden wehenhemmende Arzneien eingesetzt. Kurz vor der Entbindung waren kurzfristig die Herztöne weg. Als Kleinkind unproblematischer Entwicklungsverlauf, jedoch habe er verschiedene Allergien gehabt. Diese wurden mit "Antibiotika" therapiert. Ob der Junge auf Impfungen in irgend einer Form reagiert habe, vermag die Mutter nicht zu beantworten. Er sei bisher immer unauffällig gewesen. In den Herbst- und Wintermonaten habe er alljährlich seine Erkältungszeiten und ließe auch schulisch zusehends nach. Die gebe sich aber mit Beginn der Frühjahrsmonate wieder. Die Mutter erwähnt noch, er sei Linkshänder. Vier Monate vor dem Praxisbesuch lag eine FSME-Erkrankung vor, die durch den Kinderarzt diagnostiziert wurde. Er habe eine linksseitige Gesichtslähmung und unerträgliche Kopfschmerzen mit extremer Lichtempfindlichkeit (Hirnhautentzündung) gehabt. Die linke Körperseite habe Lähmungserscheinungen mit Schulterhochstand für die Dauer von zweieinhalb Wochen aufgewiesen. Hierauf erfolgte Krankenhausaufenthalt mit medikamentöser Behandlung, worauf die Symptome verschwunden seien. Seither habe er sich noch nicht richtig erholt.

Sonstiges:
Derzeit keine medikamentöse Behandlung, jedoch regelmäßige Vorstellung beim Kinderarzt. Zu seiner eigenen Personenbeschreibung gibt der Junge im Anamnesegespräch an: Er könne sich weder in der Schule noch zuhause Konzentrieren. Seine Hobbies seien "Lego" und "Fossilien sammeln", Computerspiele, Schwimmen Schach. Er streite sich oft mit seinem jüngeren Bruder, komme aber sehr gut mit anderen Kindern zurecht. Bevor seine Warzen gekommen seien, habe seine Haut unerträglich gejuckt. Die Warzen fingen an, als er die Klasse wechseln musste (Grundschule/Hauptschule) und er die meisten seiner Freunde nicht wiedersehen konnte durch den Schulwechsel. Kurz vor Weihnachten habe er dann überall im Gesicht, an den Händen und an den Füßen Warzen gehabt. Nachdem die Warzen auf der Haut zu sehen waren, habe aber sein Hautjucken aufgehört. Danach mehrmalige Laserbehandlung der Warzen. Nach anfänglicher Besserung sind diese jedoch immer wieder aufgetreten. Er schlafe abends sehr schlecht ein und glaube immer, das die Zeit nicht vergehen würde. Das gleiche Gefühl habe er auch während der Schulzeit. Nur wenn er spiele, sei ihm das egal. Dann hätte er lieber viel mehr Zeit. Er habe oft Alpträume. Dabei erwache er mit Atemnot. Er habe Angst im Dunkeln, weil er glaube, es stehe dann immer jemand hinter ihm. Seit dem Medikament vom Psychologen fühle er sich oft traurig und "wieverlassen". Er wolle diese Tabletten nie wieder nehmen. Er würde Sonne,Winter und Schnee sehr gerne haben, da er auch Skifahrer sei. Außerdem liebe er Gewitter, dabei könne er viel besser einschlafen. Am liebsten sei er am Meer und im Schwimmbad. Da könne er aber nicht mehr hin, wegen seiner Warzen. Sein Kinderarzt habe ihm das verboten, da er sonst andere Menschen anstecken würde. Auf die Frage, was er sich meisten Wünschen würde, antwortet er: "Einen großen Hund, keine Warzen mehr und das mein Zappeln aufhört". Seine Eltern habe er beide gleich gern, Wärme und Kälte vertrage er gleich gut. Manchmal sei ihm aber warm, dann öffne er lieber das Fenster. Er habe kalte Hände und kalte Füße, bei Aufregung schwitze er unter den Achseln, im Nacken und an den Füßen. Vor Klassenarbeiten habe er immer Bauchschmerzen, meist kurz vorher. Schlaf am liebsten in Bauchlage oder mit angezogenen Beinen. Er lasse sich nicht gerne anfassen, manchmal sei ihm schwindelig. An Lebensmitteln esse er am liebsten Brot, Kartoffeln, Pizza und saure Sachen; kalte Getränke. Durst normal, Harnentleerung normal, Stuhlgang täglich, schmerzlos,morgens.

Zu seiner psychischen Verfassung ergibt sich folgendes:
Seit dem Schulwechsel habe er Kummer, er vermisse seine Freunde. Die Schule mache ihm keinen Spaß, er würde lieber zuhause Spielen. Er habe Angst im Dunkeln, weil er glaube, es sei jemand in seinem Zimmer. Unangenehme Dinge verrichte er so schnell wie möglich, dann habe er es "hinter sich". Dies führe jedoch ständig zu Leichtsinnsfehlern. Er habe ein schlechtes Gedächtnis und könne sich nicht viel merken.

(Er wirkt in der Anamnese sehr nervös und angespannt, schaut dauernd zur Mutter und auf die Uhr, er versteckt seine Hände und rutscht nervös auf dem Stuhl. Als ich mir seine Hände zeigen lasse, um mir die Warzen anzuschauen, zittert er. Er kommt erst zur Ruhe, nachdem ich ihm mehrmals beruhigend verspreche, daß er nur "Kügelchen" bekommen würde, um seine Beschwerden zu bessern.)

Behandlung:

Die Dauer der Anamnese belief sich auf 2 Stunden.
Verordnet wird das homöopathische Mittel:

Medorrhinum C 200 als einmalige Gabe (2 Globuli)

Ausschlaggebend für die von mir getroffene Mittelwahl sind hier einmal die konstitutionelle Erscheinung des Patienten, seine entsprechenden Symptome und Eigenarten. Desweiteren die Verschlimmerungs- und Besserungskomponeneten in den Wintermonaten. Ursache für die Symptome sind einmal der vor einem Jahr eingetretene "Kummer" mit entsprechender Veränderung in seiner Psyche. Autoimmun gehen die psychischen Reaktionen hier auf die Haut, infolge der Warzenbildung jedoch leidet wiederum sein Selbstbewußtsein. Die Erkrankung Hirnhautentzündung erfolgt in einer Phase großer Empfindlichkeit. Zu dieser Zeit sind Sommerferien, er durchlebt gerade eine Wachstumsphase und aufgrund schulischer Verschlechterung wird seitens der Eltern viel von ihm im neuen Schuljahr erwartet. Er selbst stellt hohe Anforderungen an sich selbst, gibt sich aber selbst die Schuld an seinen Erkrankungen. Dies ist entsprechend negativ für seine psychische Weiterentwicklung. All diese Symptome und Modalitäten des Patienten finden wir in dem Arzneimittelbild und der Materia Medica zu MEDORRHINUM.

Die Potenz C 200 verordnete ich aufgrund der noch nicht allzu lange zurückliegenden erstmaligen Erscheinungen der Symptome (hier ca. vor 1 Jahr), desweiteren um latente Symptomatiken zu aktivieren. Die Potenz C 200 wird hierbei unter anderem als Reaktionspotenz genutzt, damit die bereits auf der Haut in Erscheinung getretenen Symptome schneller abheilen können. Medorrhinum (= Neisseria gonorrhoeae) ist eine Nosode in der konstitutionellen homöopathischen Therapie und beinhaltet Beschwerden aufgrund unterdrückter "Gonorrhoe". Es ist eine kraftvolle und tiefwirkende Arznei die ebenso Störungen und Reizbarkeit des Nervensystems besänftigt. Die Mittelwirkung entfaltet sich in dieser Potenzierung nach ca. 1-2Wochen.

Ich empfehle der Mutter des Patienten einen Kurs "Autogenes Training" für den Jungen, um seine innere Stabilität wiederherzustellen und sein Selbstbewußtsein neben der homöopathischen Behandlung zu stärken. Das Autogene Training wird in meiner Praxis in insgesamt 10 Sitzungen zu jeweils 60 Minuten durchgeführt. Zwischenbericht nach 4 Wochen Der Junge besucht einmal wöchentlich nach der Mittelgabe das Autogene Training mit Begeisterung. Er lernt in dieser Zeit viel über sich selbst und seine Ursache für die Erkrankung. Inzwischen hat Medorrhinum seine "Hochphase" in der Mittelwirkung entfaltet. Der Junge ist offener, vergnügter und selbstbewußter. Er fühlt sich insgesamt wohler, die Haut ist gebessert, wobei einzelne Warzen – besonders an den Füßen und im Gesicht - vollständig verschwunden sind.

Zwischenbericht nach 6 Wochen
Allgemeinzustand sehr gut. Da ich das AT für den Jungen unter anderem auch für kurze Gespräche zwischen den einzelnen Übungen nutze, erzählt er inzwischen mehr von seinen Kummerkomponenten und was ihn in und um die Schule bedrückt.

Nach einer Terminierung und Absprache mit der Mutter in dieser Zeit über den bisherigen und weiteren Behandlungsverlauf, verabreiche ich

NATRIUM CHLORATUM M als einmalige Gabe (= 2 Globuli)

Um hier der Psyche des Jungen die Möglichkeit zur Aufarbeitung seiner inneren Probleme und Stabilisierung seines Selbstbewußtseins zu gewährleisten.

Zwischenbericht nach 12 Wochen
Dem Jungen geht es nach eigener Aussage "hervorragend" und er übt das Autogene Training regelmäßig auch zuhause. Seine schulischen Leistungen haben sich sehr gebessert, die Warzen sind inzwischen vollständig verschwunden. Inzwischen schläft er sehr gut und kann sich in der Schule und bei den Hausaufgaben wieder konzentrieren. Sein Highlight war ein zwischenzeitlicher Schwimmbadbesuch, von dem er mir begeistert erzählt. Er habe jetzt auch eine Freundin.(!). Nach dem jetzigen Gesundheitszustand empfehle ich evtl. Wiedervorstellung bei Bedarf.

Mutter des Patientin meldet sich nach weiteren 3 Monaten und wird mit dem Sohn vorstellig: In der Zwischenzeit sei alles sehr gut verlaufen. Warzen seien bisher nicht wieder aufgetreten. In der Schule habe es einen Lehrerwechsel gegeben. Seither habe der Junge vor Klassenarbeiten aufgrund innerer Ängste (Erwartungängste) wieder verstärkt nervöse Beschwerden. Bevor diese sich jedoch wieder manifestierten, erbitte man meine Hilfe.

Symptome:
Ist nervös und ängstlich vor den Klassenarbeiten; hat wieder das Gefühl – die Zeit vergehe zu langsam; übermäßiges Verlangen nach Süßigkeiten; "Gefühl eines Splitters im Hals" vor den Klassenarbeiten; Kopfschmerzen mit Kälteempfinden und Zittern; Magendruck

Aufgrund der Vorgeschichte verordne ich

ARGENTUM NITRICUM M als einmalige Gabe (= 2 Globuli)

Prognose
Ein Zwischenbericht der Mutter erfolgt telefonisch nach weiteren 6 Monaten. Aufgrund der verabreichten homöopathischen Mittel in den entsprechenden Potenzen und den parallel durchgeführten Autogenen Trainingssitzungen hat der Junge gelernt, Probleme direkt und mit eigenem Potential anzugehen. Begleitet wurde dies durch die eigenen, inneren Erfolgserlebnisse. Durch sein eigenes Bemühen konnte er sich nicht nur Selbstbestätigung bei sich sondern auch durch seine Veränderung (Selbstwert) nach außen von seinem Umfeld holen. Trotz des kurzen "Rückfalles" aufgrund des Lehrerwechsels (dominantere Persönlichkeit; Erwartungsängste) brachte hier Argentum nitricum genügend Urstabilität, um ihm dauerhaft zu helfen.

Nach Aussage der Mutter haben sich nach der ARGENTUM NITRICUM-Gabe noch einige Veränderungen ergeben, die für den Jungen sehr positive Effekte gebracht haben. Er habe derzeit viele Ziele vor Augen, die er sich mit Beharrlichkeit auch erarbeite. Da sein Selbstbewußtsein genügend Stabilität aufweise, sei sein größter Wunsch im Moment, von der Hauptschule auf den Realschulzweig zu wechseln, was er auch mit großem Einsatz verfolge.

Anhand dieser positiven Struktur und der Wandlungsmöglichkeiten durch die Mittelgaben ist die Prognose sehr gut. Eine erneute Symptomatik in Bezug auf die zu Anfang aufgetretenen Warzenbildungen und Kummerkomponenten ist in dieser Konstellation ist nicht mehr zu erwarten.

Dauer der Behandlung insgesamt:
4 Monate mit 3 Behandlungsterminen "klassische Homöopathie"; zuzüglich 10 Sitzungen Autogenes Training in Einzelterminen; zwei Zwischenberichte der Mutter des Patienten ohne Behandlung bzw. Mittelverordnung

Naturheilpraxis
Rita Gruber
Heilpraktikerin
Am jüdischen Friedhof 4
63755 Alzenau
Tel.: 06023 / 504 780
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