Das Kind: der besondere Patient

Das Kind: der besondere Patient Kinder als Patienten stellen für viele Therapeuten eine echte Herausforderung dar. Da sie vielfach noch nicht alle Fragen zur Anamnese beantworten können, müssen die Eltern einbezogen werden – ohne dass das Kind das Gefühl bekommt, überflüssig zu sein. Dazu kommt, dass es nicht immer gelingt, eine Vertrauensbasis zu Kindern aufzubauen. Doch der Einsatz lohnt sich: Gerade Kinder sprechen auf viele naturheilkundliche Therapieverfahren gut an. Optimale Voraussetzungen, die Bildung eines intakten spezifischen Immunsystems zu fördern.

Zuhause die Patchwork-Familie mit drei älteren Stiefschwestern, mit einem Jahr in die Kindertagesstätte und seit einem halben Jahr eine Husten- bzw. Nasennebenhöhlen-Infektion nach der anderen: Der kleine Jan hat es nicht gerade leicht – was seiner Mutter durchaus bewusst ist. Was sie dagegen tun kann, weiß sie indes nicht. Damit die Familie finanziell über die Runden kommt, muss Jans Mutter halbtags arbeiten. Kommt sie dann mittags endlich erschöpft nach Hause, warten der Haushalt und vier Kinder auf sie. Ein zugegebenermaßen erfundener Fall – nichtsdestotrotz repräsentativ für die Situation zahlreicher Lebensgemeinschafts-Konstrukte hierzulande.

Dazu passt auch, dass zu unterschiedlichen Zeiten gegessen wird; oft gerade das, was ohne viel Aufwand zu machen ist. Die häufigen Infektionskrankheiten der Kinder werden meist dahingehend behandelt, dass die Kinder schnell wieder "funktionieren" (Breitband-Antibiotika usw.) und weder Mutter noch Vater der Arbeit fern bleiben müssen. Der Haushalt wird erledigt, wenn die Kinder vor dem Fernseher sitzen. Eine Situation, bei dem das ein oder andere Kind schon mal aus dem Takt gerät.

Aus naturheilkundlicher Sicht betrachtet läuft hier so ziemlich alles falsch, was falsch laufen kann. Doch was müsste passieren, damit die Situation für alle Beteiligten erträglicher wird? Vor allem für Jan, der unter solchen Umständen kaum in der Lage sein dürfte, ein vernünftiges spezifisches Immunsystem aufzubauen?

Zunächst einmal müsste Jans Tagesablauf eine gewisse Entschleunigung erfahren und geordneter ablaufen. Beim Prinzip der Ordnungstherapie geht es allerdings nicht darum, den Alltag exakt zu reglementieren, sondern lediglich einen ungefähren Tagesablauf zu schaffen, den Kleinkinder zur Orientierung benötigen. Das bedeutet zum Beispiel, frische Mahlzeiten zu geregelten Uhrzeiten ohne Ablenkung gemeinsam einzunehmen, die Minuten vor dem Fernseher zu reduzieren, jeden Abend zur selben Zeit schlafen zu gehen und so die Anzahl der verschiedenen Stressfaktoren zu reduzieren.
Auf Grund der bereits häufig erfolgten Antiobiotika-Einnahmen sollte außerdem eine Darmsanierung erfolgen, weil die Antibiotika nicht nur den "bösen" Keimen geschadet haben (wenn überhaupt), sondern leider auch den "guten". So lässt sich das kleinkindliche Darmmilieu einstellen, um eine tragfähige Basis für das heranreifende Immunsystem des Jungen zu bilden. Konkret bedeutet das, den Darm mit den Keimen zu besiedeln, die er benötigt.

Dafür verwende ich in meiner Praxis gerne das Produkt Mutaflor Suspension, das nach Angaben des Herstellers Ardeypharm Bakterien des Stamms Escherichia coli Stamm Nissle 17 enthält und im Kühlschrank gelagert werden muss. Anders als die üblichen Mutaflor-Kapseln für Erwachsene kann die Suspension einfach in den Mund des Kindes geträufelt werden. Im Falle des einjährigen Jan würde ich dazu über die Dauer von 2 Wochen täglich eine 1-ml-Ampulle nach einer Mahlzeit verordnen.

Des Weiteren würde ich der Mutter dringend das allgemein stärkende Aufbaukonzept der Firma Phönix empfehlen und ihr diesbezüglich ein konkretes Einnahmeschema an die Hand geben. Bei diesem Aufbaukonzept handelt es sich um eine Kur für Kinder bis ca. zum 15. Lebensjahr, bei der drei komplexhomöopathische Medikamente zum Einsatz kommen, die abwechselnd für Harmonisierung, Erholung und Stärkung sorgen.

Die Homöopathika werden über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten im alle drei Tage wechselnden Rhythmus verabreicht, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu sensibilisieren und den Organismus dahingehend zu unterstützen, den alltäglichen Belastungen besser gewachsen zu sein.

Bei den Homöopathika handelt es sich im Einzelnen um folgende Arzneimittel:
• Mercurius solibilis Phcp
• Dulcamara S Phcp
• Acidum nitricum S Phcp

Der konkrete Einnahmeplan für den einjährigen Jan könnte – bei einer empfohlenen Dosierung von 1 Globulus pro Lebensjahr – demnach so aussehen:
• 1.-3. Tag: morgens, mittags und abends je 1 Globulus Mercurius solibilis Phcp
• 4.-6. Tag: morgens, mittags und abends je 1 Globulus Dulcamara S Phcp
• 7.-9. Tag: morgens, mittags und abends je 1 Globulus Acidum nitricum S Phcp

Jeder Zyklus dauert demnach 9 Tage. Am 10. Tag wird von vorne begonnen und alle 3 Tage das Medikament gewechselt. Wie bei anderen Homöopathika gilt auch hier, dass die Globuli im Idealfall unter der Zunge zergehen sollten und nicht unmittelbar vor oder nach dem Teetrinken und/oder Zähneputzen bzw. Lutschen von Pfefferminz-, Menthol- oder Hustenbonbons eingenommen werden sollten. Eine Erkenntnis, für die es zwar (noch) keine wissenschaftliche Erklärung gibt, die jedoch immerhin vom Begründer der Homöopathie höchstpersönlich stammt: Samuel Hahnemann, der diesen Punkt sinngemäß in Paragraf 260 seines Standardwerks "Organon der Heilkunst" beschreibt.

Zu den weiteren Einsatzmöglichkeiten der PHÖNIX-Aufbaukur zählen der Vollständigkeit halber:
• allergische Erkrankungen der Luftwege und der Haut (etwa Asthma bronchiale, Rhinitis allergica, allergische Dermatosen usw.)
• Neurodermitis u.a. entzündliche Hauterkrankungen
• geistige und körperliche Retardiertheit
• Appetitlosigkeit
• neurovegetative Störungen
• nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna)
• Konzentrationsmängel
• Lernschwäche
• Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen (Unfälle, Operationen, Tumoren u.a.)

In Jans konkretem Fall wäre außerdem hilfreich, wenn die Eltern sich künftig auf folgende Verhaltensregeln verständigen könnten:
• Kind viel draußen (auch bei schlechterem Wetter) sowie durchaus mal "im Dreck" spielen lassen, damit das Immunsystem lernt, sich gegen verschiedene Erreger zu verteidigen
• viel Bewegung
• für ausreichende und regelmäßige Schlafzeiten in einem gut gelüfteten und nicht zu warmen Kinderzimmer sorgen
• ausreichendes Trinken (Tee, Mineralwasser, Fruchtsäfte)
• gesunde vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung, (nicht nur) aus anthroposophischer Sicht gerne mit saisonalen regionalen Nahrungsmitteln

So viel zu den allgemeinen Empfehlungen im Falle unseres kleinen Patienten Jan. Bliebe noch die Behandlung der wohl zumindest zu Beginn der Therapie weiterhin auftretenden Husten- und Nasennebenhöhlen-Infektionen.

Im Falle häufig rezidivierender Hustenerkrankungen verordne ich in meiner Praxis häufig PHÖNIX Calcium phosphoricum spag., das vielen älteren Kolleginnen und Kollegen vielleicht noch unter der früheren Bezeichnung PHÖNIX Asthmaphön ein Begriff sein dürfte. Es handelt sich um ein nach spagyrischen Gesichtspunkten zusammengesetztes Medikament mit spezifischer Wirkung auf Bronchiolen und Alveolen. Über meine Erfahrungen hinaus berichten viele erfahrene Kollegen über gute Therapie-Resultate im Rahmen der Therapie von bei spastischer oder asthmoider Bronchitis sowie als Adjuvans bei Asthma bronchiale. Die Dosierung liegt in der Regel bei 3 bis 4 Mal täglich 1 Tropfen pro Lebensjahr.

Im Rahmen der Behandlung häufig rezidivierender Nasennebenhöhlen-Entzündungen habe ich gute Erfahrungen gemacht mit dem homöopathischen Komplexmittel "Sinusitis Hevert SL" von Hevert, das außerdem zur Behandlung von Entzündungen des Hals-Nasen-Rachenraumes dient. Es handelt sich um Tabletten, die auch für Kleinkinder geeignet sind und eine entzündungshemmende abschwellende Wirkung besitzen.

Fazit: Naturheilkundliche Therapieverfahren bieten gerade bei Kindern gute Erfolgsaussichten. Nicht zuletzt und vor allem dann, wenn es darum geht, ein intaktes spezifisches Immunsystem aufzubauen bzw. zu fördern. Vorausgesetzt es gelingt, die Eltern von den Vorzügen zu überzeugen und dazu zu bewegen, maßgeblich zum Gelingen der verordneten Maßnahmen bzw. deren Umsetzung beizutragen.

Johannes W. Steinbach
Heilpraktiker und Medizinjournalist mit eigener Praxis in Konz, mehrfacher Buchautor

Naturheilpraxis Steinbach
Schillerstr. 18, 54329 Konz
Tel.: 06501 - 920 915 0

Zurück zur Übersicht "Fallstudien"