Kommunikation im psychotherapeutischen Prozess

Es ist ein Unterschied, ob ich den Klienten begrüße mit „Guten Tag, Herr/Frau….. „ oder „Guten Tag, Herr/Frau … Herzlich willkommen – treten Sie ein“. Schön ist es, wenn Sie den neuen Klienten ohne Bewertung der Person (Kleidung, Antlitz, Figur) mit einem freundlichen Gesichtsausdruck und einem Lächeln begegnen. Schon die Begrüßung des neuen Klienten kann eine Visitenkarte für den Therapeuten sein. 

Das ist in der Tat nicht unerheblich, denn ganz häufig bestehen aus meiner Erfahrung heraus Ängste, Aufgeregtheit und Nervosität, wenn der Klient das erste Mal einen Psychotherapeuten aufsucht. Das hat seine Gründe: Sich in Psychotherapie zu begeben oder zu offenbaren, an einer psychischen Störung zu leiden, ist leider häufig immer noch ein Tabuthema.
Wir sind nicht die USA. Umso mehr ist es erforderlich, den Klienten bei der Begrüßung gewissermaßen schon verbal zu umarmen.

Die erste Begegnung ist das anamnestische Vorgespräch. Ich begleite den Klienten in den Praxisraum und frage nach einem Getränkewunsch. Der Klient soll sich wohlfühlen. Dann erkläre ich ihm, was heute passiert. Ich erzähle ihm, dass unser Gespräch ca. 90 Minuten dauert und dass ich ihm sehr konkrete Fragen stellen werde. Er sollte nichts verschweigen und auf alle Fragen ehrlich antworten. Ich versichere ihm, dass die Inhalte des Gespräches sowie alle künftigen Gespräche, Erkenntnisse und therapeutischen Interventionen den Praxis-raum nicht verlassen werden. Mein Praxisraum ist der Raum, der den Klienten zugleich schützt.

Im Verlaufe des Gespräches bin ich nur auf den Klienten konzentriert. Ich frage nach, wenn ich etwas nicht verstehe oder weitergehende Informationen benötige. Ich beobachte und spüre den Klienten. Ich nehme ihn wahr. So entgehen mir Dinge nicht, die den Klienten besonders bewegen, im weiteren Therapieverlauf eine bedeutende Rolle haben könnten oder später noch einmal besonders hinterfragt werden müssen.

Nach dem Vorgespräch erhält der Klient innerhalb von 3 Tagen einen differenzierten Therapievorschlag. Dieser beinhaltet zunächst die Verdachtsdiagnose. Ich stelle dar, welche Ziele der Klient erreichen sollte und mit welchen therapeutischen Interventionen und Bearbeitungen diese Ziele erreicht werden können.

Ich vertrete als Psychotherapeut das wertschätzende Modell der „personenzentrierten Kommunikation“. Was bedeutet das?

Im therapeutischen Prozess arbeite ich sowohl gesprächstherapeutisch als auch mit Interventionen und Bearbeitungen in Trance. „Trance“ ist das therapeutische Synonym für Hypnose. Davor haben viele Klienten Angst oder zumindest großen Respekt. Deshalb ist es wichtig, sehr genau aufzuklären und darzustellen, dass die Selbstkontrolle des Klienten niemals aufgegeben wird.
Bevor Interventionen in Trance erfolgen, wird der Klient an diesen Zustand langsam herangeführt. Ich verankere zusätzlich eine Situation der Ruhe und Entspannung (Ruheanker), die immer dann abgerufen werden kann, wenn der Klient bei der Arbeit mit inneren Bildern (das sind häufig beeindruckende oder belastende Bilder) unruhig wird.
Bei Interventionen in Trance beobachte ich den Klienten konzentriert. Ich registriere jede körperlich sichtbare Reaktion, wie z.B. auch ein flaches oder heftigeres Atmen um später nachfragen zu können.
Bei Problemlösungen – oder besser – „Zielerreichungsszenarien“ orientiere ich mich an den Ideen und Vorstellungen des Klienten. In der Regel ist es so, dass jeder Mensch Lösungen für Probleme (Zielerreichungsszenarien) in sich trägt. Das hängt damit zusammen, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens Probleme auf vielfältige Art und Weise gelöst hat. Jedes Individuum besitzt also ein sehr umfangreiches Repertoire an Lösungsstrategien. Diese sind aber häufig verdeckt und im Moment nicht bewusst. Bestehen bewusst keine Lösungen, biete ich Lösungen an und wechsle damit in sehr seltenen Fällen auch in die sogenannte „dirigistische Therapie“.

Am Ende einer therapeutischen Sitzung erkläre ich, welche Themen und Ziele wir in der nächsten Sitzung bearbeiten. Ich gebe einen Rahmen vor, an dem sich der Klient orientieren kann. Nur spezielle, aktuelle Situationen des Klienten können ein Grund sein, dass Prioritäten neu gesetzt werden müssen und der zuvor gegebene Orientierungsrahmen einmal durchbrochen wird. Immer besteht folgender Focus: Im Moment ist der Klient die wichtigste Person.

Die therapeutische Sitzung ist beendet. Ich geleite den Klienten zur Tür und verabschiede mich.

 

Rainer Wieckhorst
Heilpraktiker für Psychotherapie mit Praxis in Reinbek, Experte für Angst- und Panikstörungen, Kommunikationsexperte

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